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Kritische Periode für die Freiburger Wirtschaft - Fehlende Perspektiven für die Exportindustrie

EXPORT WIRTSCHAFT POLITIK

Trotz der US-Zölle und einem hohen Mass an Unsicherheit ist die wirtschaftliche Situation für alle HIKF-Mitgliedsunternehmen zum jetzigen Zeitpunkt weiterhin ausgeglichen. Das Gesamtbild erscheint daher solide, aber mehrere Indikatoren deuten auf eine zunehmende Anfälligkeit hin. Mehr als die Hälfte der exportierenden Unternehmen meldet eine rückläufige Aktivität für das laufende Jahr, eine Erholung ist nicht in Sicht. Die Folge: Die Investitionen sind auf dem tiefsten Stand seit der Covid-Krise, und die Beschäftigung verlangsamt sich. Die Unternehmen arbeiten aktiv daran, ihre Gewinnmargen zu erhalten.

Diese Einschätzung der Situation stützt sich auf die Antworten, die von 449 HIKF-Mitgliedsunternehmen mit insgesamt rund 26’000 Mitarbeitenden im Rahmen der zwischen dem 26. August und dem 6. Oktober 2025 durchgeführten Herbstkonjunkturumfrage geliefert wurden. Das Sample macht die Hälfte der HIKF-Mitglieder aus und zeichnet verantwortlich für einen von vier Arbeitsplätzen im privaten Sektor des Kantons. In der Industrie- und Baubranche ist sogar jeder dritte Arbeitsplatz vertreten.

45% der Unternehmen vermelden für den Herbst 2025 einen positiven Geschäftsgang, die Gesamttätigkeit fällt damit praktisch identisch aus wie vor einem Jahr. Die Situation ist vor allem in Bezug auf die Aussichten negativ, die sich in den kommenden Quartalen sowohl für die Industrie- und Baubranche als auch für den Dienstleistungssektor verschlechtern dürften. Nur 40% der Unternehmen rechnen bis zum ersten Quartal 2026 mit einem wachsenden Geschäft, über diesen Zeithorizont hinaus sind es sogar nur 33%. Im Sekundärsektor betragen die entsprechenden Prozentsätze 30% bzw. 26%.

In der Exportindustrie hingegen, also in Unternehmen, die mehr als 20 Prozent ihrer Produkte ins Ausland liefern, sind die Signale deutlich besorgniserregender. Fast jedes zweite Unternehmen (47%) vermeldet derzeit einen schlechten bis mittelmässigen Geschäftsgang, und der Wert steigt in den nächsten sechs Monaten auf 53% an. Die betroffenen Branchen leiden natürlich unter den direkten und indirekten Folgen der US-Zölle, aber auch unter dem starken Franken und der schwachen internationalen Konjunktur.

Was die Rentabilität betrifft, geben 22% der Unternehmen einen «mittelmässigen bis schlechten» Eigenfinan-zierungsgrad an, der Prozentsatz liegt damit zum zweiten Mal seit 2020 über 20%. In grossen Unternehmen (über 100 Angestellte) liegt der Anteil der Unternehmen, die eine schlechte Rentabilität vermelden, bei 27%. Auf der anderen Seite zeigen diese Quoten aber auch, dass es der überwiegenden Mehrheit der Unternehmen trotz der vielen aktuellen Probleme gelingt, ihre Ertragskraft zu erhalten.

Investitionen und Beschäftigung unter Druck
Eine der Erklärungen für den Umstand, dass die Margen in einem schwachen wirtschaftlichen Umfeld aufrechterhalten werden können, ist der deutliche Rückgang der Investitionen. Mit nur 58% der Unternehmen aus dem Sekundärsektor, die im Jahr 2025 investiert haben (gegenüber 70% und mehr in der Hochkonjunktur), ist das Niveau niedriger als im Jahr 2020. Es sind keine Anzeichen für eine Erholung auszumachen. Auch der Dienstleistungssektor steht auf der Bremse, obwohl die Aktivität weniger rückläufig ist als in der Industrie.

Eine weitere Erklärung für die Beibehaltung der Rentabilität: Die Beschäftigung hat an Dringlichkeit eingebüsst. Die Unternehmen haben in diesem Jahr ihre Belegschaft um 18% reduziert, was einer Rate entspricht, die mit 2020 vergleichbar ist. 11% der Unternehmen beabsichtigen, die Belegschaft 2026 weiter zu reduzieren. Mit
72% erreicht der Prozentsatz von Unternehmen, die im nächsten Jahr den Personalbestand stabil halten wollen, nun einen Höchststand. Trotz eines nach wie vor hohen Anteils von Unternehmen, die Neueinstellungen vornehmen (26%), ist der Arbeitsmarkt somit deutlich schwächer.

Auf der Lohnseite werden die durchschnittlichen Erhöhungen im nächsten Jahr in der Industrie und im Bau-gewerbe 1,1% betragen, (2025 waren es 1,5%), im Dienstleistungssektor sind es 1,4% (1,7% im Jahr 2025). Berechnet auf der Basis von Angaben der Mitglieder der HIKF wird der kantonale Durchschnitt somit 1,3% betragen. Mit einer erwarteten Inflation von 0,2% in diesem Jahr und 0,5% im Jahr 2026 wird es folglich eine Reallohnerhöhung geben. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass 32% der Unternehmen keine Lohnerhöhun-gen vorsehen.

Instabilität
Ein Kapitel der Herbstkonjunkturumfrage der HIKF befasste sich mit der internationalen Instabilität und ihren Auswirkungen auf die Unternehmensstrategie. Von den Kriegen, Zöllen und weiteren Unsicherheiten sind
49% der HIKF-Mitglieder leicht oder stark betroffen (63% in Industrie und Bau und 43% im Dienstleistungs-sektor). 56% sehen sich mit einem Rückgang der Bestellungen und Verkäufe konfrontiert, 27% mit steigenden Importkosten und 26% mit Störungen in der Lieferkette.

Mehr als 60% der betroffenen Unternehmen haben ihre Strategie nicht geändert, 19% haben umstrukturiert, 16% haben ihr Produktportfolio diversifiziert und 8% haben neue Märkte erschlossen. Standortverlagerungen betreffen nur 2% aller Unternehmen, der Prozentsatz steigt allerdings in der Industrie auf 5%. Betrachtet man ausschliesslich die Exportunternehmen, zeigt sich, dass nur eine Minderheit der Unternehmen ihre Strategie nicht geändert hat. Rund ein Viertel musste Umstrukturierungen vornehmen, und jedes fünfte Unter¬nehmen erschloss neue Märkte.

Bei einem anderen Thema, nämlich bei den regulatorischen und bürokratischen Zwängen im Allgemeinen, veranschlagen die Mitglieder der HIKF die Zusatzbelastung im Durchschnitt auf 34 Stunden pro Monat (31 Stunden im Industrie-/Bausektor und 45 Stunden im Dienstleistungssektor). Der Bereich, der am meisten Zeit in Anspruch nimmt, sind die Sozialversicherungen (von 60% der Unternehmen genannt), vor branchen-spezifischen Vorschriften (54%), dem Arbeitsrecht (50%), Gebühren einschliesslich Mehrwertsteuer (49%), Umweltnormen (48%) und Steuern (46%).

Mehr als zwei Drittel der Befragten (68%) geben an, dass der Zeitaufwand für den Umgang mit Umwelt-standards zugenommen hat. 58% der Unternehmen sind der Ansicht, dass der Aufwand für spezifische Vorgaben in den letzten zehn Jahren zugenommen hat, während 55% auf eine vermehrte Belastung in den Bereichen Sozialversicherungen und Arbeitsrecht hinweisen.